Tote unter den Geimpften Forscher: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz

Wer hät­te das gedacht, was uns am 9.7. auf t‑online.de unter die­ser Überschrift prä­sen­tiert wird?

»Mehr als 40 Prozent der in Großbritannien bin­nen einer Woche im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion Verstorbenen hat­ten zuvor zwei Impfdosen erhal­ten. Die Verunsicherung ist groß: Wirken die Impfungen also nicht?«

Wieder ein­mal ler­ne ich einen neu­en Beruf ken­nen in Gestalt des „Risikoforschers Ortwin Renn, einem der wis­sen­schaft­li­chen Direktoren des Instituts für trans­for­ma­ti­ve Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam„. Bei weg­ster­ben­den „Geimpften“ erscheint es hilf­reich, den Rat der Nachhaltigkeitsforschung ein­zu­ho­len. Er kann uns beruhigen:

»Die Wahrscheinlichkeit, als dop­pelt geimpf­te Person schwer zu erkran­ken oder gar zu verster­ben, ist sehr gering. Aus der Zeit, als die Alpha-Variante domi­nier­te, gab es Zahlen aus Israel, nach denen sich nur 0,1 Prozent der Geimpften über­haupt infi­zier­ten. Und von denen muss­te auch nur ein Bruchteil ins Krankenhaus. Die Gefahr ist also ver­schwin­dend gering.«

Fragt die Redakteurin nach aktu­el­len Zahlen – die Alpha-Daten sind nun ziem­lich out – oder gar nach dem Risiko „Ungeimpfter“ zu erkran­ken? Unsinn, im Gegenteil läßt sie dem Risikoforscher auch dies durchgehen:

»Aber war­um macht sie uns trotz­dem Angst?

Das ist der glei­che Effekt wie beim Lottospielen, nur umge­dreht. Beim Lotto liegt die Chance auf den Hauptgewinn bei 1 zu 140 Millionen. Trotzdem spie­len die Menschen Woche für Woche, denn sie glau­ben: Ich könn­te der eine sein. Bei Corona den­ken sie dann: Ich könn­te der sel­te­ne Pechvogel sein, der sich trotz Impfung infi­ziert und viel­leicht sogar stirbt.«

Dabei lie­ße sich der letz­te Satz durch Weglassen zwei­er Worte in eine all­ge­mein­gül­ti­ge Aussage verwandeln.

Das Modell des Herrn Renn ist eher schlicht:

»Menschen reagie­ren oft irra­tio­nal. Welche Reaktionen beob­ach­ten Sie gene­rell bei Risiken wie der Gefahr einer Corona-Infektion?

Wir unter­schei­den drei ver­schie­de­ne Typen:

Der Fluchttyp ist extrem ver­un­si­chert und fühlt sich sehr ver­letz­bar. Diese Menschen haben das Haus seit Pandemiebeginn manch­mal kaum ver­las­sen, gin­gen nicht ein­mal mehr einkaufen.

Der kämp­fe­ri­sche Typ kann den Stresstest nicht bewäl­ti­gen, ohne etwas zu tun. Das kann in die eine wie die ande­re Richtung gehen. Als es im ver­gan­ge­nen Jahr räum­lich begrenz­te Corona-Ausbrüche gab, wur­den zum Beispiel Autos von Menschen zer­kratzt, die aus dem betrof­fe­nen Landkreis in einen ande­ren gefah­ren waren. Man ver­such­te also, auf die­se aggres­si­ve Art das eige­ne Umfeld zu schützen.

Aber kämp­fe­ri­sche Typen brin­gen auch sehr posi­ti­ve Dinge her­vor. So wur­den zum Beispiel Nachbarschaftshilfen orga­ni­siert, die für die alten Menschen ein­kau­fen gingen.

Und dann gibt es den Typus, der die Gefahr aus­blen­det oder igno­riert. Der macht uns in der Pandemiebekämp­fung die meis­ten Probleme. Das sind Menschen, die die Gefahr ein­fach nicht zur Kenntnis neh­men. Die infor­mie­ren sich nicht über das Virus und hal­ten sich an die ver­häng­ten Regeln nur dann, wenn es von außen kon­trol­liert wird. 

Zu Hause oder im pri­va­ten Kreis machen sie aber meist ein­fach wei­ter wie vor­her. Diese Menschen hal­ten sich oft für unver­wund­bar und wer­den so schnell zu Virusverbreitern.

Und nei­gen dann zum Beispiel auch zu Verschwörungstheorien?

Ja, das sehen wir in Krisen immer wie­der…«

Ein Anagramm zu Ortwin Renn lau­tet „Wenn Ton irr“.

Author: aa