Sie haben die Gewalt, aber sie verlieren die Menschen

tagesspiegel.de (29.6.)
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Der alte Degenhardt wuß­te auch dazu etwas:

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Das ist die Ballade vom Bauernführer Joß Fritz oder
Legende von der revo­lu­tio­nä­ren Geduld und Zähigkeit und vom rich­ti­gen Zeitpunkt.

Joß Fritz ist breit und ist leib­ei­gen, schon drei­mal hat man ihn geschaßt.
Die Weiber krei­schen auf der Tenne, wenn er beim Tanz die Punze faßt.
Und rasches Flüstern zwi­schen Türen, das, mei­nen vie­le, ist die Brunst.
Und nachts das Rascheln, Strohgeknister ist heim­lich gei­le Weibergunst.
Und doch ist das der Bundschuhführer, der heim­lich kommt, organisiert
und agi­tiert, und der auch zügelt, wenn wil­de Wut die Köpfe schnürt.

Laßt nicht die roten Hähne flat­tern, ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flat­tern vor der Zeit.

Und als die schö­nen Schlosser brann­ten im scho­nen Nachtigallenmai,
und als der bun­te Haufe rann­te vor Fürstenheer und Reiterei,
und wur­den Köpfe abge­schnit­ten, geblen­det vie­le und gehetzt,
die Organisation ver­ra­ten, die Bundschuhfahne war zerfetzt,
da lern­ten die. die übrig­blie­ben: es war ein gan­zes Stuck zu früh,
noch viel zu stark war die­ser Gegner, und viel zuwe­nig waren sie.

Laßt nicht die roten Hähne flat­tern, ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flat­tern vor der Zeit.

Joß Fritz, gejagt auf allen Straßen, im Weiberrock, am Bettlerarm,
wird Fisch und taucht im Volke unter und wie­der auf als Dorfgendarm,
und lernt den Feind und lernt die Schliche, tak­tiert und reorganisiert
und kon­spi­riert mit Pfaff und Bürger, und man­cher Mann sympathisiert.
Den Aufruhr in die Köpfe tra­gen wie kal­tes Feuer, hei­ßes Eis,
gedul­dig, lis­tig und ver­schla­gen, und war­ten kön­nen, weil er weiß:

Laßt nicht die roten Hähne flat­tern. ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flat­tern vor der Zeit.

Und als die Bänkelsänger san­gen, und als die Nachricht schnel­ler lief,
gehei­me Zinken an den Türen, und als zu oft die Eule rief,
und als die Bundschuhfahne weh­te beim wil­den Hagebuttenfest,
und als sie fast drei­tau­send waren und Waffen über­all versteckt,
und als ein paar nicht war­ten woll­ten und einer bei der Folter schrie
und Pläne, Plätze, Namen nann­te, da war es wie­der mal zu früh.

Laßt nicht die roten Hähne flat­tern. ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flat­tern vor der Zeit.

Verrat. Und wie­der auf den Straßen, Joß Fritz, gejagt, gesucht, versteckt.
Und die ihn hören und berüh­ren, sind auf­ge­rührt und angesteckt.
Mal ist er Mönch, mal Landsknecht, Bettler, mal zieht ein Gaukler über Land,
und mal erken­nen ihn Genossen am Muttermal auf sei­ner Hand.
Das gro­ße Bündnis will er knüp­fen mit Ritter, Bürger, Bauer, Pfaff.
Plebejer, Bettler und Soldaten, und immer warnt er vor der Hast:

Laßt nicht die roten Hähne flat­tern. ehe der Habicht schreit.
Laßt nicht die roten Hähne flat­tern vor der Zeit.

Und als die schö­nen Sensen glänz­ten und Morgensterne glänz­ten mit,
und als der Hammer Helme knack­te, und als die Sichel schnel­ler schnitt,
und als die schö­nen Schlösser brann­ten, und als der Bischof Gnade bat,
und als die Reiterheere flo­hen und Mauern bra­chen vor der Stadt,
da ging die Saat auf, die er säte im schö­nen Nachtigallenmai.
Und zieht dahin, der hel­le Haufe, Joß Fritz ist irgend­wo dabei

und läßt die roten Hähne flat­tern heim hel­len Habichtschrei,
und läßt die roten Hahne flat­tern und war dabei
und ist dabei.


Wir wer­den die­se Art von Gewalt nicht brau­chen, wie sie den Bauernhaufen auf­ge­zwun­gen wur­de. Geduld und küh­len Kopf sehr wohl, und auch das gro­ße Bündnis. Hier gilt es den Blick zu weiten.

Denn es gibt sie, die zwei­feln­den Menschen, selbst im „Mainstream“. Sie haben sich nicht so lan­ge und so aus­führ­lich mit den Themen rund um Corona beschäf­tigt wie vie­le hier auf die­sem Blog. Deshalb sind ihnen man­che Zusammenhänge nicht geläu­fig, viel­leicht aber auch zu über­wäl­ti­gend. Überheblichkeit im Umgang damit kann nur schaden.

Wer sich inzwi­schen heu­te lie­ber nicht „imp­fen“ las­sen will, aber an der Maske fest­hält, mag gute Gründe für sich haben. Vielleicht stellt er sie aber dem­nächst auch in Frage. Das Ausmaß der Lügen ist inzwi­schen so groß, daß sie nicht mehr igno­riert wer­den kön­nen. Und doch wird es Zeit brau­chen, sich ein­zu­ge­ste­hen, daß man Lügen auf­ge­ses­sen ist. Diese Zeit muß man den Leuten zuge­ste­hen, bei aller berech­tig­ten Wut über Mitläufertum und Gehorsam.

Während einer Studienreise nach Kuba vor vie­len Jahren brach­te uns die Reiseleiterin, eine über­zeug­te kuba­ni­sche Kommunistin, ein Prinzip nahe, das sie für eine Element des Erfolgs der klei­nen Insel gegen das mäch­ti­ge Imperium hielt. Es ist für mich zu einer Art Richtschnur gewor­den im Umgang mit Meinesgleichen und lau­tet: „Geduld, Toleranz und Verständnis“.

Author: aa