RKI – Coronavirus SARS-CoV-2 – Serologische Untersuchungen von Blutspenden auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 (SeBluCo-Studie)

Zusammenfassung der Zwischenauswertung mit Datenstand 03.06.2021

Hintergrund der Studie

Die Erfassung des Anteils der Bevölkerung, der bereits Kontakt zu SARS-CoV-2 hatte, ist wichtig, um den Verlauf der Epidemie in Deutschland abzuschätzen und Maßnahmen zum Bevölkerungsschutz zu beurteilen und zu planen.

In der SeBluCo-Studie untersucht das RKI in Kooperation mit 13 Blutspendediensten und zwei virologischen Instituten Seit Ende April 2020 über ein Jahr in 28 Regionen bundesweit alle 14 Tage ca. 5.000 Proben von Blutspenderinnen und Blutspendern auf das Vorliegen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 (Seropositivität).

Deutschlandkarte mit den Testregionen für die serologischen Untersuchungen von Blutspenden auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 Abb. 1: Verteilung der SeBluCo-Testregionen

Wo stehen wir in dieser Pandemie?

  • Bislang wurden 115.085 Proben untersucht. Die Infektionswellen, die in den nach IfSG an die Gesundheitsämter gemeldeten und an das RKI übermittelten Daten zu beobachten sind, bilden sich auch im zeitlichen Verlauf der Seroprävalenz gut ab. Nach einem Anstieg der Seroprävalenz in der ersten Welle blieb diese über den Sommer stabil. Die adjustierte Seroprävalenz lag in 2020 unter 2%. Seit Januar 2021 erkennt man einen deutlichen Anstieg der Seroprävalenz, die mit insgesamt 17,3% im April bis dato ihren Höhepunkt erreichte. Zu beachten ist, dass ein Nachweis von spezifischen Antikörpern erst ca. 3 Wochen nach der Infektion oder einer Impfung gelingt. Ein Nachweis der Seroprävalenz ist somit entsprechend verzögert gegenüber den aktiven Infektionen und Impfungen. So können z.B. die Antikörper der Infektionswelle im Winter 2020 erst Anfang 2021 nachgewiesen werden.
    Die Abbildung 2 stellt in den Balken die adjustierte Prävalenz in der SeBluCo-Studienpopulation pro Untersuchungsmonat dar. Der dunkelblaue Anteil der Balken zeigt dabei den Anteil der Antikörper, die vermutlich durch Infektion erworben wurden. Der hellblaue Anteil der Balken zeigt den geschätzten Anteil der auf Impfung zurückzuführenden Antikörper. Die rote Linie zeigt im Vergleich dazu den Anteil an SARS-CoV-2 Meldefällen in der Gesamtbevölkerung in der Altersgruppe der 18-74Jährigen.

Diagramm zur Studie Serologische Untersuchungen von Blutspenden auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 Abb. 2: Adjustierte SARS-CoV-2-Seroprävelanz und kumulative gemeldete Infektionen in der Gesamtbevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren, April 2020 – April 2021

  • Impfungen gegen SARS-CoV-2 werden im Rahmen der Studie nicht erfasst. Allerdings kann man anhand der laboranalytischen Ergebnisse abschätzen, welche der nachgewiesenen Antikörper vermutlich auf Impfungen zurückzuführen sind. Der Anteil von mutmaßlich Geimpften unter den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern stieg von Januar bis April an und lag im April bei etwas über 21% der positiv getesteten Personen.
  • Gut zwei Drittel der Proben mit einem Antikörpernachweis (68,3%) konnten bereits in ergänzenden Neutralisationstests (NT) untersucht werden. Neutralisierende Antikörper wurden bei diesen in 69,3 % (2452/3537) nachgewiesen.

Wie verteilt sich die Durchseuchung nach Geschlecht, Alter und Ort?

  • Bislang wurden insgesamt 115.085 Proben untersucht. Von diesen stammten 55,6% von Männern und 44,4% von Frauen. 34% der Proben stammten von Personen zwischen 18 und 30 Jahren, 66% der Proben von Personen über 30 Jahren.
  • In der Studie hatten Frauen insgesamt etwas häufiger einen positiven Antikörperbefund als Männer (4,9% vs. 4,1%).
  • Es sind Unterschiede in der Altersverteilung der Seropositiven erkennbar: Jüngere SeBluCo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer (5,5%) hatten signifikant häufiger Antikörper als Personen > 30 Jahre (4,0%).
  • Proben aus den Regionen Freiburg, Görlitz und Bayern Nord-West hatten über den gesamten Studienverlauf betrachtet den höchsten Anteil an Seropositiven.

Bedeutung der Ergebnisse

  • Die Untersuchungen zeigen, dass der Anteil von Personen mit durch SARS-CoV-2-Infektion erworbenen Antikörpern insbesondere seit Dezember 2020 deutlich angestiegen ist und im April 2021 einen Anteil von ca. 14% erreicht hat. Nimmt man die Antikörperprävalenz als Indikator für Immunität gegen SARS-CoV-2, so ist dieser Anteil weiterhin zu gering für eine Bevölkerungsimmunität. Dies spricht weiterhin für die allgemeine Impfung gegen SARS-CoV-2.

Blutspenderinnen und Blutspender unterstützen Surveillance

  • Blutspenderinnen und Blutspender sind gesunde erwachsene Personen zwischen 18 und ca. 74 Jahren. Die Restproben der Blutspende wurden zufällig ausgewählt und anonym untersucht. Von den spendenden Personen wurden Geburtsjahr, Geschlecht und Wohnregion erfasst.

Größte SARS-CoV-2-Serostudie

Mit über 115.500 untersuchten Proben ist SeBluCo-Studie bislang die größte SARS-CoV-2-Serostudie in Deutschland und zählt auch international zu den größten bislang durchgeführten Studien. Die Studie wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Kooperationspartner der Studie:

DRK-Blutspendedienst West; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie mit Blutbank; Universität Greifswald, Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin; Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Zentrum für Transfusionsmedizin und Hämotherapie; Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Institut für Transfusionsmedizin; Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, Institut für Transfusionsmedizin; Universitätsklinikum Essen, Institut für Transfusionsmedizin; Haema AG; Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes; DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen, Herz- und Diabetes-Zentrum Nordrhein-Westfalen, Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin, Bad Oeynhausen; DRK-Blutspendedienst NSTOB; Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Transfusionsmedizin und Gentherapie; Nationales Konsiliarlabor für Coronaviren – Institut für Virologie, Charité, Berlin; Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Medizinische Virologie

Stand: 10.06.2021

Author: James Fond