Pfizer-Impfstoff war „definitiv die Ursache“ für Kälberkrankheit

Das hatte das Paul-Ehrlich-Institut lange vertuscht. 2013 war auf topagrar.com zu lesen:

»Der Impfstoff „PregSureBVD“ vom Pharmahersteller Pfizer (jetzt Zoetis) ist definitiv die Ursache für die tödliche Kälberkrankheit Blutschwitzen gewesen. Das hat das vor drei Jahren gegründete Forschungsprojekt des Bundesagrarministerium jetzt in seinem Abschlussbericht erklärt.

Die Forscher unter der Leitung von Prof. Klaus Doll von der Uni Gießen konnten u.a. zeigen, dass der Impfstoff neben dem erwünschten BVD-Virus auch fremde Rinderzellen enthält. Die Rinderzellen stammen von der Zellkultur, die für die Vermehrung des Virus bei der Herstellung notwendig ist. Durch die Impfung wurden die Rinder nicht nur gegen BVD immunisiert, sondern auch gegen die Rinderzellen aus der Zellkultur, berichtet Dr. Mark Holsteg von der Landwirtschaftskammer NRW im Wochenblatt Westfalen-Lippe.

Geimpfte Tiere zeigen dann selbst keine Krankheitserscheinungen, allerdings verfügen sie über unerwünschte Antikörper gegen fremde Rinderzellen. Geimpfte Muttertiere übertragen diese unerwünschten Abwehrstoffe auf das Kalb, und können damit das Krankheitsbild des Blutschwitzens auslösen. Ob die Krankheit ausbricht, hängt in erster Linie vom „Verwandtschaftsgrad“ von Kalb und Mutter bzw. Vater und der Zellen aus der Zellkultur ab.

Bei erkrankten Kälbern fehlen die für die Blutgerinnung erforderlichen Blutplättchen (Thrombozyten).Die über das Kolostrum aufgenommenen Antikörper führen zu einer Zerstörung der Blutplättchen und der blutbildenden Zellen im Knochenmark…

Auch drei Jahre nach dem Verbot des Impfstoffes treten immer noch Fälle auf, so Kammerberater Holsteg. Betroffen sind Kälber von geimpften Kühen. Daher muss in PregSureBVD-geimpften Betrieben weiterhin das Kolostrum geimpfter Kühe verworfen werden, um die Kälber zu schützen. Geimpfte Kühe produzieren wahrscheinlich lebenslänglich gefährliches Kolostrum.«

Im „Bauernblatt“ war am 11.1.2014 zu lesen:

»Seit 2007 ist das KrankheitsbiId in Europa bekannt. In der Folge hat das Pharmaunternehmen Pfizer (jetzt Zoetis) 2010 den Impfstoff vom Markt genommen. Im Jahre 2011 traten auch erste Fälle in Neuseeland auf, woraufhin auch hier der Impfstoffverkauf gestoppt wurde. Die Erkrankung zeigt sich bei Kälbern innerhalb der ersten drei Lebenswochen durch Schwäche und sichtbare Blutungen („Blutschwitzen“) auf der Haut. Die betroffenen Kälber verbluten innerhalb weniger Tage und eine Therapie bringt nur sehr selten Heilung.«

Paul-Ehrlich-Institut hält still

Auf pei.de ist („Aktualisiert: 21.11.2019“) zu lesen:

»Aufruf zur Mithilfe

Seit etwa fünf Jahren wird vermehrt über Krankheitsfälle mit haemorrhagischer Diathese bei jungen Kälbern berichtet…

Die Ursache ist bisher nicht geklärt. Es besteht jedoch ein deutlicher Zusammenhang zur Anwendung des Impfstoffs PregSure BVD bei den Mutterkühen.

Seit dem Vermarktungsstopp von PregSure BVD in Deutschland am 07.04.2010 sind über 1.600 weitere Fälle registriert worden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass einmal betroffene Muttertiere auch bei weiteren Geburten Kälber mit BNP haben können. Daher muss das Kolostrum-Management (siehe hierzu Bericht im Deutschen Tierärzteblatt 6/2011, S. 748-749) in BNP-Betrieben weiterhin besondere Beachtung finden.

Die Firma Pfizer hat am 30.08.2011 freiwillig auf die Zulassung des Impfstoffs PregSure BVD verzichtet. Mit dem Erlöschen der Zulassung enden nach derzeitiger Gesetzeslage die Pharmakovigilanz-Verpflichtungen des Unternehmens. Das PEI teilt mit, dass BNP-Fälle trotzdem weiterhin gesammelt und ausgewertet werden…«

Kausale Bedeutung der Impfung „kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht eindeutig beurteilt werden

Ebenfalls beim PEI erhältlich ist eine Publikation der „Tierärztl. Umschau“ von 2009 über „Gehäuftes Auftreten von hämorrhagischer Diathese infolge Knochenmarkschädigung bei jungen Kälbern„. Die Untersuchung stellt fest:

»3.2 Virologische und serologische Untersuchungen
Die Untersuchung auf BVD-Virus sowie auf das BT-Virus verlief bei allen 25 Klinikpatienten negativ. Dagegen konnten bei allen Patienten Antikörper gegen das BVD-Virus nachgewiesen werden. Antikörper gegen das BT-Virus waren bei den Kälbern vorhanden, deren Mütter schon gegen das BT-Virus geimpft waren…

4.4 Mögliche Ursache(n)
Ob die Tatsache, dass die Mütter aller 25 Klinikpatienten gegen BVDV geimpft waren, von kausaler Bedeutung ist, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht eindeutig beurteilt werden, ist aber unter anderem Gegenstand laufender Untersuchungen. Es ist zu hoffen, dass die Ursache dieser überaus mysteriösen und mit Leiden verbundenen Krankheit bald aufgeklärt wird. Daran wird an verschiedenen Stellen in Europa gearbeitet. Weitere Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe werden demnächst mitgeteilt werden.«

Erst 2011 erfolgt die Publizierung von

»Blutschwitzen bei Kälbern – Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts erfolgreich bei der Ursachenforschung

Die Impfungen mit dem Impfstoff PregSure BVD führen bei Rindern zur Bildung von Antikörpern, die sich an Zellen des Blutes anheften können. Werden diese Antikörper mit dem Kolostrum der geimpften Kuh an das Kalb weitergegeben, können sie dort Blut- und Knochenmarkszellen zerstören. In betroffenen Betrieben führt das bei bis zu 15 Prozent der Kälber zu der als ‚Blutschwitzen‘ bekannt gewordenen Erkrankung. Eine Arbeitsgruppe der Abteilung ‚Veterinärmedizin‘ des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) um Max Bastian stellt in der Zeitschrift VACCINE nun Untersuchungen zu möglichen Ursachen dieses Phänomens vor. Die Publikation ist online bereits verfügbar…

Im März 2009 hatte es erste Hinweise gegeben, dass betroffene Betriebe oft den Impfstoff PregSure BVD zur Bekämpfung der Virus Diarrhöe bei den Muttertieren eingesetzt hatten. Für Deutschland sind mittlerweile über 3.000 Fälle registriert (Stichtag 28. Februar 2011), in Europa sind es insgesamt über 4.500 Berichte. Ab März 2010 verzichtete der Hersteller auf Anraten des PEI auf die Vermarktung von PregSure BVD in Deutschland. Am 16. Juli 2010 folgte der Ausschuss für Tierarzneimittel CVMP bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA der Empfehlung des PEI, die Zulassung ruhen zu lassen. Das Ruhen der Zulassung trat im Oktober 2010 in Kraft – entsprechende Chargen wurden zurückgerufen.«

Trotz Hinweisen verlängert PEI die Zulassung

Obwohl es im März bereits Hinweise auf den Impfstoff als Ursache der Schädigungen gab, verlängerte das Paul-Ehrlich-Institut die Zulassung noch am 20.7.2009:

pei.de

Pfizer verschleppt Rücknahme um ein Jahr

Für das PEI stellt das „eine verantwortungsvolle Maßnahme“ dar. So ist es formuliert in seiner „In­for­ma­ti­on zum Impf­stoff PregS­u­re BVD: Er­lö­schen der Zu­las­sung und wei­te­re For­schungs­er­geb­nis­se“ vom 6.9.2011:

»Mit Datum vom 30. August 2011 hat das Unternehmen Pfizer GmbH auf die Zulassung des Impfstoffs PregSure BVD (Zul.-Nr. PEI.V.02747.01.1) verzichtet. Das Unternehmen nimmt dabei Bezug auf die Kommissionsentscheidung vom 7. Oktober 2010 zum Ruhen der Zulassung und weist darauf hin, dass es noch nicht gelungen sei, die von der Europäischen Kommission geforderten wissenschaftlichen Nachweise zu führen, um diese Entscheidung aufheben zu können. Das Unternehmen erachtet den freiwilligen Verzicht auf die Zulassung daher als angemessen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) begrüßt diesen Schritt als eine verantwortungsvolle Maßnahme.

Nach Diskussionen mit dem PEI hatte die Pfizer GmbH bereits im März 2010 auf eine Vermarktung von PregSure BVD in Deutschland verzichtet, nachdem es bei Kälbern von mit PregSure BVD geimpften Kühen gehäuft zum sogenannten „Blutschwitzen“ (Bovine Neonatale Panzytopenie, BNP) gekommen war. Im Oktober 2010 war dann von der Europäischen Kommission das Ruhen der Zulassung für Europa angeordnet worden…«

Risiko 1200fach höher

»Einer neuen epidemiologischen Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München zufolge (Sauter-Louis, persönliche Mitteilung) ist das relative Risiko (Odds Ratio) für das Auftreten von BNP-Fällen in Betrieben, die PregSure BVD eingesetzt haben, mehr als 1200fach höher als in Betrieben, in denen der Impfstoff nicht angewendet wurde.

Seit Mitte August 2011 sind auch in Neuseeland mehrere Fälle von BNP in Rinderbeständen aufgetreten, die PregSure BVD eingesetzt haben. Daraufhin hat das Unternehmen Pfizer New Zealand umgehend die Vermarktung gestoppt und ausgelieferte Chargen zurückgerufen. In Neuseeland ist PregSure BVD seit 2008 auf dem Markt.«

Author: aa