„Lernpläne entschlacken und Druck aus dem Kessel nehmen“

»Lernstandserhebungen in den Schulen und mög­li­che Lernlücken in den Sommerferien nach­ar­bei­ten – das plant Bundesbildungs­ministerin Anja Karliczek. Die Kinder- und Jugendpsychologin Elisabeth Raffauf hält die Vorschläge nicht für sinn­voll. Im Dlf plä­dier­te sie für ein­fühl­sa­me­re Alternativen.

Seit Weihnachten sind die Schulen in vie­len Bundesländern geschlos­sen. Schülerinnen und Schüler pen­deln zwi­schen Distanz- und Wechselunterricht – und eini­ge blei­ben dabei auf der Strecke. Bundesbildungsministerium Anja Karliczek (CDU) hat des­halb Lernstandserhebungen bis zum Ende des Schuljahrs ange­kün­digt. Die Lehrer sol­len danach eine Empfehlung geben, wel­che Schüler wel­chen Unterrichtsstoff nach­ho­len müs­sen – in den Ferien.

Ermutigung statt Druck

Die Kinder- und Jugendpsychologin Elisabeth Raffauf hält das nicht für sinn­voll – statt­des­sen sol­le man Lernpläne ent­schla­cken und sich anse­hen, was Kinder und Jugendliche in der Pandemie erlebt und viel­leicht auch gelernt haben – zum Beispiel, schwie­ri­ge Situationen zu meis­tern und krea­tiv zu sein. Vielleicht sei gera­de nicht der Lehrplan das Wichtigste. Kinder wür­den eben nicht wie Maschinen funk­tio­nie­ren, bei denen man das Wissen ein­fach nach­fül­len kön­ne, so Raffauf. Sie wirft der Politik vor, Kinder in der Coronakrise aus dem Blick ver­lo­ren zu haben. Ihnen feh­le die Lobby.

Studien wür­den zei­gen, dass inzwi­schen jedes drit­te Kind Auffälligkeiten wie Schlafstörungen oder Bauchschmerzen zei­ge. Vor der Pandemie, sei das bei jedem fünf­ten Kind so gewe­sen, sag­te Raffauf. Sie schlägt vor, die Kinder selbst zu fra­gen, was sie brau­chen und wie es ihnene gehe. Das Wort „Aufholpaket“ klingt für die Psychologin nach Druck, das was vie­le Kinder jetzt aber bräuch­ten, sei Ermutigung.«

Im Originalbeitrag fin­det sich das voll­stän­di­ge Interview.

Author: aa