Hersteller warnen vor FFP2-Masken für Kinder

Ist es die Angst vor einem Imageschaden, ein Rest von Verantwortungsgefühl oder ein­fach der unsi­che­re Markt? Eine Umfrage, über die auf handelsblatt.com am 23.6. berich­tet wird, zeigt:

»Die Bundesregierung sieht einen Bedarf an FFP2-Masken für Kinder. Manche Hersteller leh­nen eine sol­che Produktion ab, ande­re wie der Medizintechnikhersteller Dräger sind dafür…

„Aus unse­rer Sicht ist das abso­lut nicht sinn­voll“, sagt Kai Rinklake, Geschäftsführer des Maskenproduzenten Skylotec. Der Manager ver­weist dar­auf, dass FFP-Masken ein Arbeitsschutzprodukt sind und für pro­fes­sio­nel­le Anwender ent­wi­ckelt wur­den. „Hier sind die Unternehmer ver­pflich­tet, Produkte aus­zu­wäh­len, die den jewei­li­gen Trägern pas­sen und dicht sit­zen. Gleichzeitig müs­sen sie für Pausen sor­gen und die Träger arbeits­me­di­zi­nisch unter­su­chen, um Schäden durch das erschwer­te Atmen zu ver­hin­dern“, sagt Rinklake…

Nico Feichtinger, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Günter Zühlsdorf, weist zudem dar­auf hin, dass Mitarbeiter, die sol­che Masken tra­gen, für gewöhn­lich pro­fes­sio­nel­le Schulungen erhal­ten soll­ten. Wenn die Masken nicht eng am Gesicht anlie­gen, atmet der Maskenträger an ihnen vor­bei – und der Atemschutz wird hinfällig…

Skylotec-Geschäftsführer Rinklake hält ein klei­ne­res Kindermaß auch aus gesund­heit­li­chen Gründen für bedenk­lich: „Vordergründig spricht natür­lich etwas dafür, dass sol­che Masken bes­ser pas­sen und dich­ter sit­zen“, sagt er. Bei der Entwicklung bestün­de dann aber das Problem, dass die Fläche der Maske mit dem fil­tern­den Material den Atemwiderstand beeinflusse.

Mehr Fläche bedeu­te weni­ger Widerstand. Passe man die Masken also an klei­ne­re Gesichter an, stei­ge die­ser Widerstand. „Wir hal­ten es für unver­ant­wort­lich, hier die Norm zu ändern und für Kinder höhe­re Atemwiderstände zuzu­las­sen“, sagt Rinklake.

Ob nun mit glei­chem oder mit höhe­rem Atemwiderstand: Auch der Mischkonzern 3M sieht ein sol­ches Produkt skep­tisch. „Kindergesichter sind mög­li­cher­wei­se zu klein, um eine gute Abdichtung bei einer Atemschutzmaske zu errei­chen. Auch kann die Belastung durch eine Atemschutzmaske für Kinder zu hoch sein“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit… 

Dräger zeigt sich aufgeschlossen

Andere Unternehmen zei­gen sich aller­dings auf­ge­schlos­sen gegen­über FFP2-Kindermasken. Beispielsweise das Medizintechnikunternehmen Dräger: „Wir sehen es als wich­tig an, auch Kinder und Jugendliche in der Pandemie aus­rei­chend zu schüt­zen. Leider decken die der­zei­tig gül­ti­gen Standards wie zum Beispiel die EN 149 aus­schließ­lich die Anwendung im Arbeitsschutz ab und sind somit auf Masken für Erwachsene aus­ge­legt. Daher kön­nen Kindermasken selbst bei höchs­ten Qualitätsansprüchen aktu­ell nicht als FFP2-Maske zuge­las­sen und ver­mark­tet wer­den“, so eine Sprecherin.

Um der Passform noch bes­ser gerecht zu wer­den, hat das Unternehmen bereits einen Maskentyp in den Größen S und M/L her­aus­ge­bracht. Das Unternehmen arbei­te „mit Hochdruck wei­ter an die­sem Thema“, heißt es bei Dräger.

Auch die Technisat Digital GmbH hat nach Angaben ihres Geschäftsführers Stefan Kön die Notwendigkeit sol­cher Masken bereits erkannt. Eine Maske für Jugendliche und Leute mit klei­nen Köpfen sei der­zeit als Community-Maske bei Technisat erhält­lich. „Eine FFP2-Version ist aktu­ell in der Zulassungsphase und wird in Kürze ver­füg­bar sein.“…«


Geschichte und Profite in der „Pandemie“

Wenn es nicht so ein­tö­nig wäre… Wie für die meis­ten deut­schen Pharmaunternehmen gilt auch für die Drägerwerke:

»Während der Zeit des Nationalsozialismus waren im Drägerwerk Zwangsarbeiter beschäf­tigt. 1941 waren es etwa 1.200 von 7.000 Mitarbeitern. Mit einem Transport aus dem KZ Ravensbrück wur­den im Juni 1944 knapp 500 Frauen zur Zwangsarbeit in die Hamburger Drägerwerke nach Hamburg-Wandsbek ver­bracht. Bis April 1945 leb­ten sie in dem Außenlager Hamburg-Wandsbek des KZ Neuengamme in Baracken auf dem Werksgelände. Sie wur­den in der Produktion von Gasmasken und zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen auf Hamburg ein­ge­setzt. Mit eini­gen der Häftlinge wur­den Menschenversuche über das Überleben in gas­dich­ten Luftschutzräumen ange­stellt. Zu den Leitern des Lagers gehör­te der SS-Hauptscharführer Max Kirstein. Die Befreiung der bis dahin etwa 550 Frauen gelang im Mai 1945 durch bri­ti­sche Soldaten und das schwe­di­sche Rote Kreuz…

In Folge der COVID-19-Pandemie stieg die Nachfrage nach Beatmungsgeräten des Unternehmens sprung­haft an. Im Februar 2020 wur­de die Produktionskapazität ver­dop­pelt und soll noch­mals ver­dop­pelt wer­den (Stand: März 2020). Die deut­sche Bundesregierung beauf­trag­te das Unternehmen mit 10.000 Geräten, die im Laufe des Jahres 2020 aus­ge­lie­fert wer­den soll­ten. Letztlich wur­den nur 1.557 Geräte abge­nom­men und der Rest stor­niert. Ein noch grö­ße­rer Teil der Produktion wird ins Ausland ver­kauft. Daneben wur­de die Produktion von Atemschutzmasken verdoppelt.«

Author: aa