Drosten antwortet der „Welt“ zu PCR-Tests

Am 15.4. wur­de hier berich­tet, daß auf welt.de eini­ge kri­ti­sche Fragen zum PCR-Test gestellt wur­den. Heute wird dort unter »„Die PCR-Tests für SARS-CoV‑2 sind von Anfang an bes­ser vali­diert“« über Drostens Antworten infor­miert. Erstmals über­haupt sieht Drosten sich ver­an­laßt, zu Bedenken Stellung zu nehmen.

Frage 1 nimmt Bezug auf ein Interview aus dem Jahre 2014, in dem Drosten im Zusammenhang mit MERS unter ande­rem äußer­te: „Asymptomatische Menschen soll­ten nicht mit PCR getes­tet wer­den.

»Antwort von Christian Drosten:

Die Einschätzung zur PCR-Testung bei COVID-19 und MERS unter­schei­det sich deut­lich, denn bei­de Erkrankungen wei­sen deut­lich abwei­chen­de epi­de­mio­lo­gi­sche Ausprägungen auf.

An die­ser Stelle sei nur auf fol­gen­de Aspekte ver­wie­sen: SARS-CoV‑2 (Erreger von COVID-19) wird hoch­ef­fi­zi­ent von Mensch zu Mensch über­tra­gen. Etwa die Hälfte aller Übertragungen geschieht bereits vor Symptombeginn. Daraus folgt, dass der Einsatz der PCR zur Verhinderung von Übertragungen auch Personen ein­be­zie­hen muss, die (noch) kei­ne Symptome aufweisen.

MERS-CoV (Erreger von MERS) und SARS-CoV (Erreger von SARS) wer­den dage­gen erst nach Symptombeginn über­tra­gen. Daher ist die Testung sym­pto­ma­ti­scher Personen hier aus­rei­chend. MERS-CoV ist außer­dem nur sehr inef­fi­zi­ent von Mensch zu Mensch über­trag­bar. Die meis­ten Fälle wer­den durch direk­ten Kontakt mit Kamelen erwor­ben…«

Vor allem sei­en die PCR-Tests von damals noch nicht so ent­wi­ckelt gewesen.

»Die PCR-Tests für SARS-CoV‑2 sind von Anfang an bes­ser vali­diert und tech­nisch auf­ge­setzt (das liegt ein­fach am Fortschritt der Technik) und inzwi­schen als for­mal zuge­las­se­ne in-vitro Diagnostika von einer Vielzahl von Herstellern erhältlich.

Die Tests sind dabei unter­schied­lich, es wird also nicht nur ein Zielgen, son­dern eine gro­ße Vielzahl von Zielgenen ver­wen­det – bei voll­kom­me­ner Übereinstimmung der Testergebnisse zwi­schen Herstellern…

Die nach­träg­li­che Bestätigung einer Infektion bei PCR-Positiven durch Antikörpertestung gelingt dabei in so gro­ßer Regelmäßigkeit, dass eine obli­ga­to­ri­sche Bestätigung aus labor­me­di­zi­ni­scher Sicht ver­zicht­bar ist…«

In dem Artikel wird dar­auf ver­zich­tet, die Behauptungen von Drosten zu hin­ter­fra­gen. Worauf stützt sich die Kernaussage „Etwa die Hälfte aller Übertragungen geschieht bereits vor Symptombeginn„? Wie steht es in der Realität mit derBeteuerung , daß „nicht nur [auf] ein Zielgen, son­dern eine gro­ße Vielzahl von Zielgenen“ getes­tet wer­de? Beides wird von renom­mier­ten WissenschaftlerInnen ange­zwei­felt. Siehe dazu u.a. Buch“Illa“ jetzt gedruckt erhält­lich.


Frage 2 beschäf­tigt sich damit, „dass ein rein posi­ti­ves PCR-Test-Ergebnis nicht aus­reicht, um ein Infektionsgeschehen zu bestim­men, da auch Menschen, die eine Infektion über­stan­den haben, noch wochen­lang posi­tiv getes­tet wer­den kön­nen„. Deshalb sol­le der Ct-Wert der Tests in die Bewertung ein­be­zo­gen wer­den. Es folgt – unbe­an­stan­det – ein Reden um den hei­ßen Brei:

»Antwort von Christian Drosten:

Ich habe im Sommer 2020 den­sel­ben Vorschlag geäu­ßert (s. Zeit-Artikel „Ein Plan für den Herbst“, 5. August 2020). Gemeinsam mit dem RKI habe ich inten­siv an der Erstellung eines Ct- bzw. Viruslast-Standards gear­bei­tet. Dieser wur­de mitt­ler­wei­le allen Diagnostiklaboren zur Verfügung gestellt, sodass Ct- oder bes­ser Viruslast-basier­te PCR-Befunde mög­lich sind. Die Viruslastmessung wird auch schon in vie­len Richtlinien und in der Praxis des öffent­li­chen Gesundheitsdienstes ange­wandt.«

Besagtes Interview aus dem August war der Auftakt für eine Kampagne, in der Drosten Kontakttagebücher eben­so emp­fahl wie die Quarantäne von „Quellclustern“ auch ohne Test. „Ein Quellcluster kann zum Beispiel ein Großraumbüro sein, eine Fußballmannschaft oder ein Volkshochschulkurs.“ Sie soll­ten für fünf Tage eine „Abklingzeit“ in Quarantäne ver­brin­gen müssen.

Tatsächlich fin­det man dort auch eini­ge unver­bind­li­che Worte zur „Viruslast“, nicht aber zu der Frage der Ct-Werte, um die es eigent­lich geht:

»Zusätzlich brau­chen wir eine wei­te­re ent­schei­den­de Änderung unse­rer Strategie: eine Testung auf Infektiosität statt auf Infektion. Die Information dafür lie­fern die gän­gi­gen PCR-Tests schon in Form der Viruslast. Eine nied­ri­ge Viruslast bedeu­tet, dass ein Patient nicht mehr anste­ckend ist. Würden wir uns zutrau­en, aus den inzwi­schen vor­lie­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Daten eine Toleranzschwelle der Viruslast abzu­lei­ten, könn­ten Amtsärzte die­je­ni­gen sofort aus der Abklingzeit ent­las­sen, deren Viruslast bereits unter die Schwelle gesun­ken ist. Es wür­den wohl die aller­meis­ten sein.«

Damals wie heu­te ver­wei­gert Drosten eine Festlegung, bei wel­chen Ct-Werten Infektionen nach­weis­bar sein sol­len. Unter die­sem Gesichtspunkt ist die Vermutung von Ansteckungen „bereits vor Symptombeginn“ zumin­dest kühn.

Author: aa