Danke, Markus!

»“Unterirdisch“: Kritik an Söders Attacke auf die Impfkommission

Im Streit über Corona-Impfungen von 12- bis 17-Jährigen hat Bayerns Ministerpräsident Söder sei­nen Konfrontationskurs gegen die Ständige Impfkommission ver­schärft. Das sorgt für viel Kritik – bei Politikern ande­rer Parteien, aber auch bei Experten.

Deutlich war Markus Söders (CSU) Kritik an der Ständigen Impfkommission (Stiko) schon in den ver­gan­ge­nen Tagen, jetzt hat der baye­ri­sche Ministerpräsident noch eine Schippe drauf­ge­legt – und dem Experten-Gremium indi­rekt Kompetenz abge­spro­chen. „Wir schät­zen die Stiko, aber das ist eine ehren­amt­li­che Organisation“, sag­te Söder am Mittwochabend dem BR-Politikmagazin „Kontrovers“. „Die EMA – die Europäische Zulassungsbehörde – das sind die Profis. Die haben ent­schie­den: Ja, der Impfstoff ist zuge­las­sen. Kinder- und Jugendärzte, über­wie­gend jeden­falls, emp­feh­len die Impfung.“«
br.de (15.7.)

Gedacht war die Nummer ver­mut­lich als eine der Sorte „Good Cop, Bad Cop“.

Söder für die Blöden, für die Differenzierteren Kritik dar­an, zu Hauf aus Opposition wie von mode­ra­ten „Impf“-BefürworterInnen kom­mend. Möglich ist, daß das Spiel nicht aufgeht.

Denn es scheint so zu sein, daß die begeis­tert zur Spritze Drängenden dies auch ohne den Polterer von der Isar tun. Fraglich ist, ob die vie­len dem eher aka­de­misch gepräg­ten lin­ken Lager zuzu­rech­nen­den WählerInnen unter ihnen nun auf Söder anspringen.

Für die eher zurück­hal­ten­den und skep­ti­schen Menschen dürf­te der Auftritt eher ihre Vorsicht bestä­ti­gen. Denn er ver­deut­licht, wie schnell Fachleute nicht etwa aus sach­li­chen Gründen aus­ge­grenzt und denun­ziert wer­den. Und daß es längst nicht mehr nur um die Wodargs und Bakhdis geht. Wissenschaft steht unter der Knute der Politik, macht Söder klar. Warum soll­te dies erst seit dem Sommer 2021 so sein, wird hof­fent­lich eine dar­aus fol­gen­de Frage sein.

Deshalb vor allem ist die Kritik aus dem „Mainstream“ ent­setzt. So sieht etwa der „Abteilungsleiter Infektiologie im Haunerschen Kinderspital der LMU München, Johannes Hübner,“ sei­ne Felle weg­schwim­men.: „Er habe die Sorge, dass durch die aktu­el­le Diskussion das Vertrauen der Eltern und Kinder in die Empfehlungen Kommission [sic] gestört wer­de.“ Hübner hat­te sich schon im letz­ten August für Kinderimpfungen aus­ge­spro­chen, denn:

»Abgesehen von den Risiken für die Gesundheit der Kinder gebe es in Zeiten der Corona-Pandemie zudem eine gesell­schaft­li­che Verpflichtung zum Schutz ande­rer, sag­te er

Seinerzeit ging es noch um Grippeimpfungen, der mora­li­sche Druck auf Eltern wur­de schon damals auf­ge­baut. Heute setzt er dar­auf, daß die Stiko schon ein­kni­cken wird („das kön­ne sich aber in den nächs­ten Wochen bereits ändern„). Söders offe­ne Drohungen sind da hin­der­lich, das macht man sub­ti­ler. Erkennbar wird das auch an der Worten eines ande­ren Stiko-Verteidigers, den Söder „an den ehe­ma­li­gen Präsidenten der Vereinigten Staaten erin­ne­re„. Wie beim Vorbild geht es weni­ger um unter­schied­li­che Positionen, son­dern um Stil. Trampel wie Trump und Söder wir­ken da unschön.

Unterm Strich kann man dem baye­ri­schen Ministerpräsidenten dank­bar sein für sei­ne Worte. Für die, die bereit sind hin­zu­se­hen, demas­kiert er ein wei­te­res Mal das Corona-Spiel als das einer poli­ti­schen Agenda, die nur not­dürf­tig gesund­heits­po­li­tisch kaschiert ist.

Author: aa